Glückliches Biotier?

Letzte Woche habe ich eine Doku des NDR mit dem Titel „Glückliches Biotier“ gesehen. Der Autor hat sowohl ökologisch, als auch konventionell geführte Betriebe besichtigt und gezeigt. Gefallen hat mir, dass er vermieden hat ein Bild in schwarz und weiß zu malen.

Daraufhin habe ich Folgendes getwittert:

Als Reaktion darauf schrieb fritzicato:

Stimmt, der Teil mit den kleinen Strukturen ist meine Interpretation der Doku. Der Autor hat dies nicht explizit erwähnt.

Fritzicato schrieb weiter:

Der Tweet von fritzicato spiegelt die Aussage des Autors besser wider als meiner.

Der Autor zeigt, dass die Einstellung des Bauern gegenüber den Tieren und sein Wissen zur Tierhaltung sehr entscheidende Faktoren beim Tierwohl sind. Er zeigt zum Beispiel eine große Hühnermastanlage, in der sich der Landwirt noch die Zeit nimmt täglich durch den Stall zu laufen und nach den Tieren zu sehen.

Ich kann zustimmen, dass ein Tier aus konventioneller Haltung glücklicher sein kann, als eines aus ökolögischer Haltung. Dies kann meiner Meinung nach vorkommen, wenn dem Ökolandwirt das Know-How fehlt. Diesen Eindruck hatte ich bei dem Landwirt aus dem Film, der nach einem gescheiterten Versuch der Biohaltung wieder zurück zur konventionellen Haltung ging. Auch in Betrieben (tendenziell in industriellen Strukturen) die zwar biozertifiziert aber nicht wirklich überzeugt sind, kann das Tierwohl niedriger sein als beim guten konventionellen Landwirt.

Ich denke also, dass der „gleiche Mensch“ glücklichere Tiere hält, wenn dieser ökologisch denkt und handelt und kleinstrukturierte Landwirtschaft betreibt. Wenn wir Einstellung und Know-How als gegeben betrachten, ist das Tierwohl hier größer.

Bestimmte Bedürfnisse des Tieres (z.B. Wühlen bei Schweinen) können nur bei ökologischer Haltung in kleinen Strukturen befriedigt werden, da diese nur schwierig im großen Maßstab umzusetzen sind (zumindest werden sie im Moment nur dort umgesetzt). Die kleinen Strukturen sind aber kein Wert für sich, sondern werden nur wertvoll im Hinblick auf das Tierwohl, wenn ihre Potenziale dahingehend ausgenutzt werden.

Die richtige Einstellung des Landwirts zum Tierwohl und das nötige Know-How sind zwingende Voraussetzungen für ein „glückliches Tier“. Doch bei Vorhandensein dieser Eigenschaften müssen die Tiere nicht unbedingt glücklich sein. Ich denke, dass für besonders „glückliche Tiere“ die kleinstrukturierte Haltung eine Voraussetzung ist.

Soweit meine Gedanken zur Doku und der Unterhaltung auf Twitter. Ich freue mich auf Meinungen und Kommentare.


Mein Besuch auf dem Markt des guten Geschmacks

Von letztem Donnerstag bis Sonntag war es so weit. Seit meinem Besuch auf der BioFach im Februar habe ich mich gefreut. Es war Slow-Food-Messe in Stuttgart. Auf dem Markt des guten Geschmacks stellen Produzenten ihre Lebensmittel vor, die den Werten der Slow-Food-Gemeinschaft entsprachen: gut, sauber, fair.

Große Tafel

Nachdem ich mit Flo und Thilo von der University of Gastronomic Sciences bei einer Winzergemeinschaft Wein probiert habe, sind wir gemeinsam an die große lange Tafel in der Mitte der Messehalle und haben erstmal zu Mittag gegessen. Wir probierten Kässpatzen aus dem Allgäu mit Weißlacker Käse und ein Grünkernrisotto aus dem Heilbronner Land.

Hersteller und Aussteller

Später habe ich mich dann mit Dieter Rohde unterhalten. Er stellt in Kassel die typisch hessische Ahle Wurscht her. Sie wird aus dem Fleisch von schweren Schweinen hergestellt und reift an der Luft in den traditionellen, aus Lehm gebauten, Reifekammern Nordhessens. Natürlich haben wir diese besondere Wurst auch probiert. Die mürbe Konsistenz und der intensive Fleischgeschmack waren hervorragend. Besonders interessant für mich war jedoch der Mensch hinter der Wurst. Wir haben uns lange über die Warmfleischverarbeitung, die Reifung und die notwendige Erfahrung unterhalten. Die Hingabe bei der Herstelltung dieser Wurst, die ich in unserem Gespräch gespürt habe, hat mir wieder gezeigt, welche Zufriedenheit und Erfüllung ehrliches Metzgerhandwerk auslösen kann. Wer mehr zur Ahle Wurscht wissen möchte, kann sich das vom wurstsack erstellte Portrait durchlesen.

Durch die Podiumsdiskussion zur Verschwendung von Lebensmitteln bin ich auf das Projekt „Save Food from the Fridge“ aufmerksam geworden. Jihyun Ryou hat ältere Menschen befragt, wie sie in Zeiten ohne Kühlschrank ihre Lebensmittel aufbewahrt haben. Sie hat das gesammelte Wissen explizit gemacht, indem sie Aufbewahrungsmöbel entworfen hat. Fand ich toll, die Lebensmittel halten länger und schmecken besser.

Aufbewahrung für Wurzelgemüse und Lauch

Bloggertreffen

Am Abend fand dann das erste kulinarische Bloggertreffen (twitter-Liste) statt. Mit dabei waren:

Nachdem wir zusammen saßen und etwas diskutiert hatten, wurden wir zum verköstigen an die Stände eingeladen. Ich habe ein paar interessante Menschen kennengelernt und tolles Essen probiert (z.B. der rohe Schinken von den Herrmannsdorfern).

Alles in Allem war die Messe für mich sehr lohnenswert. Tolle Menschen und tolles Essen. Nächstes Jahr auf jeden Fall wieder, und dann hoffentlich länger als nur einen Tag.


Hallo Welt

Ich bin mitte zwanzig und stehe gerade vor einer wichtigen Entscheidung. Meine Eltern führen in zweiter Generation eine handwerkliche Metzgerei und ich bin am überlegen, ob ich selbstständiger Metzger werden soll.

Sowohl Selbstständigkeit als auch das Metzgerhandwerk kamen für mich lange Zeit nicht in Frage. Vielleicht hat das damit zu tun, dass die Kunden im Laden mir früher immer in die Wangen gekniffen und dabei gesagt haben: „Na, wirst dann später mal Metzger und übernimmst das Geschäft?“. Meine Einstellung hat sich aber geändert, sonst würde ich das hier ja nicht schreiben.

Schon jetzt sind wir eine Metzgerei die großen Wert auf Qualität legt. Wir stehen in engem Kontakt zu unseren Landwirten, Schlachten selbst, und produzieren nahezu unser gesamtes Sortiment selbst. Echtes Handwerk eben! In meinem Kopf habe ich trotzdem ein Bild von Dingen, die ich gerne verändern würde.

Inspiriert durch Menschen wie Karl Ludwig Schweisfurth, Götz Werner und Götz Rehn würde ich mit unserer Metzgerei gerne noch sinnhafter arbeiten. Das gilt für Kunden, Lieferanten, Mitarbeiter und natürlich auch für die Tiere. Gerne würde ich eine echte artgerechte Tierhaltung einführen und Wurst, Schinken und Fleisch mit so wenig Zusatzstoffen wie möglich herstellen.

Leider ist meine Entscheidung nicht leicht zu treffen. Sie ist sehr langfristig und mit einigen Risiken verbunden. Auf der anderen Seite würde mir die Metzgerei ermöglichen mich selbst zu Unternehmen. Ich weiß also noch nicht so genau wie ich mich entscheiden soll.

Nachdem ich auf der Biofach war, und dort sowohl vom wurstsack als auch von Sebastian Backhaus den Rat bekommen habe, über meine Entscheidungsfindung zu bloggen, bin ich nun hier.

Ich freue mich auf angeregte Diskussionen und euren Input. Vielleicht könnt ihr mir ja auf meinem Weg helfen. Ich wäre dankbar!


Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.